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Themendossier Kooperation stärken

Perspektiven eröffnen – Hochschulen als Partner beim beruflichen Wiedereinstieg

OPTION HOCHSCHULEProfessor Dr. Marie-Louise Klotz ist Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal (HRW) und unterstützt die Kooperation mit Netzwerk Wiedereinstieg. Im Interview erläutert sie, warum Wiedereinstieg auch ein Thema für Hochschulen ist und welche Schritte möglich sind, um weitere Perspektiven für qualifizierte Wiedereinstiegs-Angebote zu entwickeln. Die Hochschule Rhein-Waal strebt die Auditierung als familiengerechte Hochschule an, der Erfahrungsaustausch im Netzwerk unterstützt dabei.

„Wir wollen innovative Wege gehen“: Interview mit  Professor Dr. Marie-Louise Klotz, Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal (HRW)

Frau Professor Klotz, die Hochschule Rhein-Waal kooperiert mit Netzwerk W und öffnet als eine der ersten Hochschulen gezielt die Türen für das Thema und die Gruppe der Wiedereinsteigerinnen. Was hat Sie dazu bewogen, was ist für die Hochschule Rhein-Waal daran spannend?

Professor Dr. Marie-Louise KlotzProfessor Dr. Marie-Louise Klotz: Wir sind eine noch junge Hochschule und wollen innovativ und interdisziplinär arbeiten. Dazu gehört, auch neue Wege auszuprobieren. Ich habe zwar nicht nachgeforscht, aber wenn wir eine der ersten Hochschulen hier in der Region sind, die sich für den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen öffnen, dann finde ich das natürlich umso besser. Wir wollen gerne dazu beitragen, die akademischen Potenziale, die vor allem auch hier in der Region schlummern, zu wecken und nutzbar zu machen. In meinen Augen ist es auf jeden Fall eine Chance, eine gute Option, sich durch ein Studium fitzumachen für den beruflichen Einstieg oder Wiedereinstieg.

Wir beteiligen uns, weil es schließlich auch eine Frage der Verantwortung und der Solidarität gegenüber den Frauen ist, ihnen jede geeignete Möglichkeiten zu bieten, sich umzuorientieren, wieder einzusteigen und sich für neue Perspektiven zu öffnen. Ich habe selber zwei Kinder und wollte damals nach kurzer Zeit wieder einsteigen. Daher war ich unserer Gleichstellungsbeauftragten sehr dankbar, dass sie sich für das Thema eingesetzt und die Initiative ergriffen hat, als die Anfrage der Netzwerk W-Partnerinnen kam. Unsere Gleichstellungsbeauftragten, die sich auch an den Standorten Kamp-Lintfort und Kleve darum kümmern, haben für das Projekt meine volle Unterstützung als Präsidentin.

Die Gruppe der Wiedereinsteigerinnen sollte von den Hochschulen ernster genommen werden, auch wenn ich glaube, dass es zahlenmäßig wahrscheinlich eine überschaubare Gruppe bleiben wird. Stichwort Fachkräfte, Stichwort qualifizierter existenzsichernder Wiedereinstieg: Für die Zukunft wird es zunehmend wichtig, die Option Hochschule dabei stärker in den Blick zu nehmen, Beispiele zu zeigen und Muster zu entwickeln, wie ein Studium nicht nur berufsbegleitend, sondern auch familienbegleitend realisiert werden kann.

Was bieten Sie als Hochschule für Wiedereinsteigerinnen? Haben Sie mit dieser Gruppe bereits Erfahrungen gesammelt?

Zusammen mit den Netzwerk W-Partnern haben wir zunächst einen Leitfaden für die Studienberatung entwickelt, um für die Beratungsbedarfe dieser Zielgruppe zu sensibilisieren und damit besser informieren zu können. In der Regel haben wir es ja mit Studentinnen und Studenten zu tun, die noch sehr jung sind und keine Familienverantwortung tragen.

Wir haben ein erstes berufsbegleitendes Teilzeit-Studienangebot, das in den ersten vier von neun Semestern ein Studium an zwei Tagen die Woche vorsieht. Daran nehmen auch einige Frauen teil, die Mütter sind und über diesen Weg den Wiedereinstieg planen oder sich beruflich umorientieren. Die Zahlen sind klein, aber die Tür ist aufgestoßen. Daraus ein echtes Weiterbildungsstudium möglicherweise mit Fokus auf Wiedereinsteigerinnen zu entwickeln, ist für uns im Moment noch Zukunftsmusik. Aber es wäre ein interessantes Projekt.

Wie schätzen Sie das Angebot der Universität St. Gallen ein, die ein Management-Weiterbildungsprogramm speziell für Wiedereinsteigerinnen anbietet. Ist das kopierbar?

Das Programm ist auf unserer kleinen Vortragsreihe zum Thema Wiedereinstieg und Studium vorgestellt worden. Ich habe mir den Vortag angehört und finde das Angebot sehr interessant. Sicherlich wird es dazu beitragen, gut qualifizierte Frauen zu motivieren und ihnen das notwendige Selbstvertrauen zu vermitteln. Entscheidend wird aber die Frage sein, inwieweit tatsächlich der Einstieg gelingt, also im Anschluss auch eine konkrete Jobperspektive entsteht. Das ist sozusagen die zweite Phase der Qualität: Die Brücke zum Job muss funktionieren und da denke ich, gibt es noch einige Arbeit zu leisten. Insofern bietet das Programm Anregungen, ist aber nicht einfach zu kopieren.

Grundsätzlich ist es möglich und wünschenswert, ein entsprechendes Paket zu schnüren, um die Option Hochschule für den beruflichen Wiedereinstieg weiter auszubauen. Studium und Praxis müssen dabei aber aus meiner Sicht ein Tandem bilden. Ich denke, es lohnt sich, wenn wir uns für solche Angebote stark machen. Zumal, wenn wir uns als familienfreundliche Hochschule verstehen und präsentieren wollen.

Stichwort Familienfreundliche Hochschule –  wie weit sind Sie hier, profitieren Sie von der Kooperation mit der Hochschule Niederrhein, die ebenfalls Netzwerk W-Partner ist und sich zum zweiten Mal als familiengerechte Hochschule auditieren lässt?

Wir haben vor, uns für das Auditierungsverfahren Familiengerechte Hochschule zu bewerben. Dafür müssen wir aber noch einige Hausaufgaben erledigen und arbeiten zurzeit zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten daran. U.a. geht es darum, gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten einzurichten. Wenn wir das alles erledigt haben, kommt der nächste Schritt und ich denke, vielleicht noch in diesem Jahr, spätestens im nächsten Jahr werden wir uns dem Auditierungsverfahren erfolgreich stellen können.

Dabei ist es sicher von Vorteil, dass die Hochschule Niederrhein mit im Boot ist und wir unsere Erfahrungen über das Netzwerk austauschen können. Als ehemalige Professorin und Dekanin an der Hochschule Niederrhein sind mir die Strukturen und Verfahrensweisen dort nicht gänzlich unbekannt und ich finde es gut, wenn wir voneinander profitieren und der Austausch intensiviert wird. Man muss das Rad ja nicht zweimal erfinden.

Für uns als neugegründete Hochschule noch dazu in Randlage ist das Thema familiengerechte Hochschule sehr wichtig. Wir haben viele wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Beschäftigte, viele Professorinnen und Professoren, die Kinder im Kindergartenalter haben. Sie haben nicht nur einen immensen Arbeitsaufwand zu bewältigen, sondern müssen das auch mit dem Familienleben vereinbaren. Das ist oft ein Spagat. Umso besser, wenn wir entsprechende Angebote haben und uns als familiengerechte Hochschule ausweisen können. Vielen jungen Leuten wird es dann sicher leichter fallen, sich für die Hochschule Rhein-Waal zu entscheiden.

Hochschule Rhein-Waal