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Themendossier Beratung - Interview

Potenzialanalyse und Wiedereinstieg – alle Kompetenzen erkennen. Fachworkshop stärkt Beratungskompetenz und Kooperation im Netzwerk

Ulrike Kreuels, Netzwerk W-Koordinatorin (links), Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Referentin Ulrike Groth vom TZ Glehn

Mit Blick auf den wachsenden Fachkräftebedarf hat das Netzwerk W Rhein-Kreis Neuss einen Fachworkshop zu Potenzialanalyse und Wiedereinstieg durchgeführt. Ziel war es, die Beratungskompetenz der handelnden Akteurinnen und Akteure zu verbessern und den kollegialen Austausch zu stärken. Ein Handout dokumentiert die Ergebnisse, mit Links und Tipps zu Verfahren und Anwendung. Das Netzwerk W Rhein-Kreis Neuss ist mit rund 25 beteiligten Institutionen eines der großen Netzwerke W in der Landesinitiative. Im Interview erläutert Ulrike Kreuels, Netzwerk W-Koordinatorin und Gleichstellungsbeauftragte im Rhein-Kreis Neuss, Nutzen und Einsatz der Potenzialanalyse im Kontext der Berufsrückkehr.


Für das Netzwerk W Rhein-Kreis Neuss haben Sie einen Fachworkshop zu Potenzialanalyse und Wiedereinstieg durchgeführt. Was hat Sie bewogen, dieses Beratungsinstrument als Handwerkszeug für die Akteurinnen und Akteure ausführlicher zu thematisieren?

Ulrike Kreuels: In den letzten Jahren haben wir uns sehr umfassend mit Informationsangeboten für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger beschäftigt. Angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs wollten wir jetzt ganz gezielt unsere eigenen Fachkompetenzen im Netzwerk W stärken und haben die Beratungsarbeit im Kontext des beruflichen Wiedereinstiegs in den Fokus genommen. Hier kommt es ja besonders darauf an, das gesamte Potenzial unabhängig von Berufsabschlüssen zu erschließen, um bestmögliche Unterstützung für die zu beratende Person leisten zu können.

Für den Workshop haben wir eine sehr kompetente Referentin gewonnen, die uns die unterschiedlichen Ansätze und Vorgehensweisen nahe gebracht hat. Die Ergebnisse stellen wir gerne im landesweiten Netzwerk zur Verfügung. Dafür haben wir ein Handout mit den wichtigsten Ergebnissen, Tipps und weiteren Fachlinks zusammengestellt.


Welchen Vorteil bietet die Potenzialanalyse als Instrument im Kontext der Berufsrückkehr?

Bei der Potenzialanalyse – auch als Kompetenzfeststellungsverfahren bezeichnet - geht es um die Ermittlung der vorhandenen, aber auch der noch verborgenen Potenziale und Kompetenzen. Bei der Unterstützung für Wiedereinsteigende ist das wichtig. Denn viele waren lange nicht im Beruf, haben sich trotzdem durch familiäre Pflichten oder ehrenamtliche Aufgaben, durch Lebenserfahrung weiterentwickelt.

Im Workshop konnten wir verschiedene Methoden und Einsatzbereiche kennenlernen und in Gruppenarbeit haben wir an einem typischen Fallbeispiel mögliche Lösungen erarbeitet. Die Potenzialanalyse ist auch deshalb ein geeignetes Instrument, weil es flexibel und mit überschaubarem Zeitaufwand in unserer tagtäglichen Beratungsarbeit einsetzbar ist. Zugleich sind wir ja selbst Fachkräfte und werden geschult und sensibilisiert, wenn wir etwa als Gleichstellungsbeauftragte oder Personaler, Personalerin an Einstellungsprozessen in unseren Einrichtungen oder Unternehmen beteiligt sind.


Wie ist das Fachangebot im Netzwerk aufgenommen worden, das Interesse war groß?

Ursprünglich wollten wir den Kreis der Teilnehmenden begrenzt halten. Aber es gab dann doch so viel Interesse, dass wir am Ende über 30 Anmeldungen hatten, darunter auch Kolleginnen aus dem Netzwerk W Mönchengladbach, mit dem wir gelegentlich kooperieren. Und sogar der Landrat kam für Grußworte. So viel Zuspruch hat uns doch sehr gefreut.


Welchen Wert hat das für Ihre Netzwerk W-Arbeit vor Ort?
Die Mischung aus Professionalisierung und kollegialem Austausch kam an?

Wir sind ein großes Netzwerk und haben rund 40 aktive Mitglieder. Je nach Schwerpunkt unserer Aktivitäten sind in der Regel zwischen 25 und 30 Institutionen eingebunden, darunter die Gleichstellungsstellen aus den Kommunen unseres Kreises, Arbeitsagentur, Jobcenter sowie verschiedene Bildungsträger, Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Für unsere Netzwerk-Arbeit war es bereichernd, dass wir mit dem Fachworkshop die Möglichkeit zum ausführlichen inhaltlichen und kollegialen Austausch nutzen konnten. Bei unseren regelmäßigen Arbeitstreffen, wenn wir etwa die Infotage vorbereiten, kommt das doch eher zu kurz und ist sehr an der Aktivität orientiert.

Ich denke, das stärkt einmal mehr unsere gute Kooperation im Netzwerk, und für die Beratungsarbeit war es ganz bestimmt inspirierend und anregend, das Fachwissen aufzufrischen und weiterzuentwickeln.