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Aushandlungsmanagement zur Vereinbarkeit Familie und Beruf

Familie und Beruf gleichberechtigt vereinbaren – Partnerschaftliches Aushandlungsmanagement als Baustein im Wiedereinstieg – Netzwerk W-Broschüre zeigt, wie das gelingen kann

Familie und Beruf gleichberechtigt vereinbarenGelingende partnerschaftliche Aushandlungsprozesse und gute Bedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen (Wieder-)Einstieg. Eine Broschüre des Netzwerk W Lippe widmet sich erstmals dem komplexen Thema „Aushandlungsmanagement im Wiedereinstiegsprozess“ und bietet einen praktischen Leitfaden für junge Eltern.

Die Broschüre „Gemeinsam Familie und Karriere planen“ ist Ergebnis eines Seminars zum Thema „Rollenerwartungen, Karriereplanung und Aushandlungsmanagement“, das das Netzwerk W Lippe in Kooperation mit der Hochschule OWL und gemeinsam mit dem Trainer und Elterncoach Nils Seiler durchführte. Die Broschüre wurde ebenfalls im Rahmen der Landesinitiative Netzwerk W gefördert und steht hier zum Herunterladen bereit.

Die Broschüre unterstützt junge Eltern und Alleinerziehende dabei, Beruf und Kariere partnerschaftlich zu verhandeln und alltagstaugliche Strategien für die Umsetzung zu entwickeln. Die Broschüre stellt unterschiedliche Vereinbarkeitsmodelle vor, gibt Tipps für die Kommunikation und zeigt, wie Lösungen für partnerschaftliche Vereinbarungen und Aushandlungen im (Beziehungs-)Alltag Bestand haben können. Ein Elternpaar beschreibt im Interview, wie es ihnen gelungen ist, ein für beide Seiten zufriedenstellendes Vereinbarkeitsmodell zu realisieren.

Fakt ist: Viele Paare wünschen sich eine gleichberechtigte Beziehung und Arbeitsteilung. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke – vor allem wenn Kinder in die Beziehung kommen. Dann kommt es häufig zu einer Re-Traditionalisierung der Rollenverteilung und die Geburt des ersten Kindes ist häufig auch ein Scheideweg für Karriereverläufe – insbesondere bei Müttern.

Darauf verweist auch das Gutachten zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, das ausführlich auf die Aushandlungsprozesse in Paarbeziehungen eingeht und diese Prozesse als oftmals entscheidende Weichenstellung mit nachhaltigen Folgen für Erwerbsverläufe und Altersversorgung von Frauen und Männern beschreibt. „Mit der Geburt bzw. Aufnahme eines Kindes in die Familie werden (…) entscheidende Weichen gestellt: Je früher Väter Verantwortung in der Betreuung und Erziehung von Kindern übernehmen, desto nachhaltiger lässt sich eine partnerschaftliche Arbeitsteilung zwischen den Eltern verwirklichen. So kehren die Partnerinnen von Vätern, die mehr als drei Monate Elterngeld beziehen, mehr als dreimal so häufig nach einem Jahr zurück in den Beruf als Frauen, deren Partner lediglich zwei Monate Elterngeld beziehen; sie arbeiten zudem doppelt so häufig in Vollzeit(…).“

 

 

„Wir wollen ermutigen, über gleichberechtigte Partnerschafts- und Familienmodelle nachzudenken, und ermutigen, sie auch umzusetzen.“

Foto: Netzwerk W-Koordinatorin Silke QuentmeierNetzwerk W-Koordinatorin Silke Quentmeier zur Broschüre „Gemeinsam Familie und Karriere planen- Ziele setzen und umsetzen“ – eine Anleitung und Hilfestellung für Eltern und Beratende im Wiedereinstiegsprozess.

Das fehlte. „Mit der Broschüre können wir erstmals einen konkreten Leitfaden für ein partnerschaftliches Aushandlungsmanagement vorlegen. Das fehlte bisher und wir hoffen, damit junge Eltern - Frauen wie Männer – zu ermutigen, über gleichberechtigte Partnerschafts- und Familienmodelle nachzudenken - und sie auch umzusetzen. Gerade hier im ländlichen Raum gibt es einigen Unterstützungsbedarf.“

Traditionelle Rollenbilder. „Bei unseren Beratungen machen wir sehr häufig die Erfahrung, dass auch junge Frauen immer noch viel eher bereit sind, aus familiären Gründen ihre Erwerbstätigkeit zu unterbrechen oder stark einzuschränken, um dann im Minijob oder weit unter Qualifikation wiedereinzusteigen. Es ist nicht zu verkennen, wie viel von den traditionellen Rollenbildern in den Köpfen steckt. Und von einer partnerschaftlich egalitären Aufgaben- und Rollenverteilung sind wir immer noch weit entfernt, auch wenn junge Väter inzwischen bereitwilliger Familienpflichten übernehmen wollen. Dabei allerdings auch auf viele Hürden treffen können.“

Verhandeln, damit Vereinbarkeit gelingt. „Wir wollen Eltern und auch Alleinerziehende ermutigen, ein eigenes Vereinbarkeitsmodell zu finden. Mit der Broschüre geben wir eine Hilfe an die Hand, um erfolgreich zu verhandeln und das Vereinbarte auch umzusetzen. Die Aushandlungsprozesse darüber, was in der Partnerschaft eine gerechte Aufgabenteilung sein kann, sind hochkomplex und im Alltag oft mühevoll. Hier werden aber entscheidende Weichen gestellt und dabei wollen wir Eltern und insbesondere junge Frauen nicht allein lassen, gerade dann, wenn das erste Kind kommt. Es geht darum, gemeinsam ein solches Vereinbarkeitsmodell zu entwickeln, das keinen Partner oder keine Partnerin in seinen /ihren Bedürfnissen und Ambitionen zurücklässt.“

Unverzichtbar – Tipps. „Die Broschüre ist auf der Basis eines von Netzwerk W geförderten Fachseminars entstanden. Hier haben wir ausgehend von vier Vereinbarkeitsmodellen – Verzichtsmodell, Steigerungsmodell, Teilungsmodell, Lebensphasenmodell – mit jungen Paaren durchgespielt, wie ein Aushandlungsmanagement mit gelungenen partnerschaftlichen Vereinbarungen aussehen kann. Daraus haben wir alltagstaugliche Tipps und weiterführende Leitfragen entwickelt, die sich auch zum Selbstcoaching eignen. Ein Elternpaar beschreibt die nicht immer einfache Umsetzung zwischen Familien- und Berufsalltag.“

Stellschrauben. „Ein partnerschaftliches Aushandlungsmanagement ist nur eine Stellschraube im Wiedereinstiegsgeschehen und kann nicht die alleinige Lösung sein. Im Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung finden sich dazu einige Vorschläge, etwa ein verbindliches betriebliches Wiedereinstiegsmanagement, angemessene Kinder-Betreuungsangebote oder Änderungen in den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Regelungen. Das alles würde die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und damit auch die Aushandlungsprozesse. Familie oder Beruf – das ist heutzutage keine wirkliche Alternative mehr.“