Netzwerk W in Nordrhein-Westfalen

Wiedereinstieg braucht professionelles Netzwerk-Management.
Das MGEPA NRW startet eine neue Förderrunde von Netzwerk W

Für die Förderrunde 2011 sind inzwischen die meisten Interessenbekundungen bewilligt. Netzwerk W bindet damit insgesamt rund 500 Projektpartnerinnen und -partner ein. Ein Interview mit der für das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes (MGEPA) tätigen Landeskoordinatorin Cornelia Schlebusch, Zentrum Frau in Beruf und Technik nennt Schwerpunkte.

 

Netzwerk W geht in die nächste Förderrunde und die Projekte beginnen mit der Arbeit vor Ort. Welche Schwerpunkte gibt es in diesem Jahr?

Cornelia SchlebuschDer Wiedereinstieg in den Beruf ist ein komplexes Thema mit verschiedenen Phasen und sehr unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren. Das bleibt für uns ein durchgängiges Thema der Netzwerkarbeit. Während wir im letzten Jahr insbesondere Zielgruppen fokussiert hatten, sind wir in dieser Förderrunde etwas anders aufgestellt und haben drei Schwerpunkte gesetzt.

Die Stichwörter sind in Kürze: Die Transparenz der vorhandenen Angebote und Produkte zur Unterstützung des Wiedereinstiegs weiterhin sicherstellen und verbessern sowie die Kooperationen, vor allem mit Wirtschaft und Unternehmen, verstärken. Damit reagieren wir auf das sehr aktuelle Thema Fachkräftesicherung und wollen den wachsenden Fachkräftebedarf als Chance für Wiedereinsteigerinnen nutzen. Der dritte Schwerpunkt wird auf das Thema Qualitätsverbesserung der Netzwerkarbeit gelegt und ist aus meiner Sicht als Landeskoordinatorin ganz zentral.

Professionelle Netzwerk-Arbeit ist angesichts knapper Ressourcen und komplexer Problemlagen mehr denn je gefragt. Hier haben wir angefangen, nachhaltige Modelle der Zusammenarbeit zu entwickeln. Das wollen wir verstetigen, damit die Netzwerke W ihre Lobbyarbeit für den Wiedereinstieg verbessern und auch strategisch im regionalen Gesamtkontext besser einbinden können.

 

Sie haben die neue Förderrunde mit einem Workshop „Erfolgreiches Netzwerkmanagement“ eingeläutet, die Professionalisierung der Netzwerkarbeit spielt also eine wichtige Rolle. Welche Erkenntnisse gab es, was kennzeichnet gutes Netzwerken?

Mit dem Workshop wird das Grundwissen zum Netzwerk-Management vertieft. Professor Claus Reis, der die Arbeit der Netzwerke schon lange begleitet, gab wichtige Anregungen für die Praxis. Eine der zentralen Botschaften, die ich aus der Netzwerkkoordination nur bestätigen kann: Netzwerken funktioniert nicht von allein, es braucht viel Zeit und viel Arbeit, um tragfähige Kooperationen zu installieren und am Laufen zu halten.

Professor Reis hat dafür elf Erfolgsfaktoren identifiziert, die wir jetzt in einem Handout zusammengefasst haben und zum Herunterladen bereit stellen.

Auch wenn Netzwerk W kein reines "Produktionsnetzwerk" ist, auf das sich die „11 Erfolgsfaktoren“ beziehen, so liefern sie doch eine gute Hintergrundfolie und sind auf andere Netzwerke übertragbar.

Die Wissenschaft bestätigt, was ich bei meiner Arbeit als Landeskoordinatorin immer wieder erfahre: Der Faktor „Vertrauen“ spielt eine ganz zentrale Rolle, um Netzwerke aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Und das funktioniert am ehesten über vielleicht kleinere, aber realistische Ziele, die alle beteiligten Akteurinnen und Akteure und ihre Organisationen ernsthaft mittragen. Das klingt bescheiden, aber dadurch wächst Vertrauen vor Ort und es können neue Anknüpfungspunkte entstehen, auch für die Zusammenarbeit in stärker ambitionierten Projekten.

Für die Förderkulisse Netzwerk W ist genau das typisch und macht die Wirksamkeit aus: Vertrauensaufbau durch gemeinsame, eher kleinere Produkte und Kooperationen.

 

Ein landesweites, ambitioniertes Vorhaben sind die 16 Kompetenzzentren Frau und Beruf, die 2012 die Arbeit aufnehmen. Wo sehen Sie Anknüpfungspunkte? Wie können die Netzwerke W und die Kompetenzzentren zusammenarbeiten und sich ergänzen?

Interview Cornelia SchlebuschZentrale Aufgabe der Kompetenzzentren ist es, die Erwerbstätigkeit von Frauen in Nordrhein-Westfalen zu verbessern und zu steigern. Sie sind damit thematisch viel breiter aufgestellt, sie haben einen viel weitergehenden Auftrag. Gleichwohl bieten sich die Netzwerke W als geeignete Partner an. Denn über sie sind in den Kreisen und kreisfreien Städten bereits wichtige Partnerorganisationen vernetzt.

Die Netzwerke W können für die Kompetenzzentren eine Türöffnerfunktion auf lokaler und regionaler Ebene haben. Für die Netzwerke ist das sicher eine Chance, ihre Netzwerk-Kompetenzen auf breiter Ebene einzubringen.

Beispielsweise setzt sich Netzwerk W in diesem Jahr intensiv mit Fragen der Unternehmensgewinnung und Fachkräftesicherung auseinander und es werden mehrere regionale Unternehmensbefragungen durchgeführt. Diese Ergebnisse können dann auch die Kompetenzzentren nutzen und für ihre Handlungsprogramme einsetzen.

 

Wenn Sie auf die bisherige Netzwerkarbeit zurückschauen, was werten Sie als besonderen Erfolg?

Es ist dem Land mit den Netzwerken W gelungen, die Förderung des beruflichen Wiedereinstiegs zum wichtigen Thema der gleichstellungs- und arbeitsmarktpolitische Akteurinnen und Akteure vor Ort zu machen. Wie in einem Brennglas werden wesentliche Probleme des Wiedereinstiegs identifiziert, aufgegriffen, Lösungen werden ausprobiert und Ergebnisse auf hohem Niveau in den Transfer gebracht.

Produkte wie beispielsweise der Schulungsleitfaden zur Beratung von Wiedereinsteigerinnen werden inzwischen flächendeckend genutzt, das Lotenswerk Wiedereinstieg wird von anderen Regionen übernommen und findet auch bundesweit Beachtung. Wie man Kooperationen professionell gestaltet, wird an vielen Standorten diskutiert. Mit mehr Zielbewusstsein werden für die Bearbeitung der Themen geeignete Partnerschaften aufgebaut.

Wir haben – fast prototypisch – eine große Bandbreite von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Handlungsfeldern vernetzt. Insgesamt ist so unser Expertinnen-Status deutlich gewachsen, das wiederum unterstützt die Arbeit vor Ort.

Im Rahmen von Netzwerk W haben wir, wie sich jetzt zeigt, auch für das neue Bundesprogramm „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“ eine gute Basis geschaffen. Viele unserer Netzwerk W-Partnerinnen sind an der Umsetzung des Programms in Nordrhein-Westfalen beteiligt, zum Teil sogar als tragende Säule. Auch das ist ein Ergebnis und eine Anerkennung von professioneller Netzwerk-Arbeit.

 

 

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