Themendossier Beratung – Interview

"Ein Lotsenwerk für alle Akteure im Bereich Wiedereinstieg im Rhein-Kreis Neuss schaffen"

Von Amt zu Amt, von Behörde zu Behörde, zwischen Ausbildung, Arbeit und Kinderbetreuung: Wiedereinsteigerinnen auf der Suche nach Beratungs- und Unterstützungsleistungen haben es auch im Rhein-Kreis Neuss nicht immer leicht, die richtige Kontaktadresse für die jeweiligen Fragen zu finden. Um das zu ändern, entwickelte die Allianz Wiedereinstieg Rhein-Kreis Neuss den Kompass Wiedereinstieg, der auch mit eigener Website im Netz informiert. Im Gespräch erläutert Petra Reinges-Becker, Projektkoordinatorin und Mitarbeiterin des Technologiezentrums Glehn, Ausgangslagen und Ziele.

Frau Reinges-Becker, Sie haben für den Rhein-Kreis Neuss den Kompass Wiedereinstieg entscheidend mit auf den Weg gebracht. Was bietet der Kompass, wie hilft er Wiedereinsteigerinnen weiter?

 Petra Reinges-Becker, Projektkoordinatorin und Mitarbeiterin des Technologiezentrums GlehnDer Kompass gibt Berufsrückkehrerinnen im Rhein-Kreis Neuss einen guten Überblick über Anbieter und Standorte von Beratungsmöglichkeiten und Dienstleistungen von Meerbusch bis Rommerskirchen, also in allen acht Kommunen. Hinzu kommen weitere Einrichtungen wie die IHK in Krefeld und die Agentur für Arbeit in Mönchengladbach, die für unseren Kreis zuständig sind. Wir haben keine Broschüre mit aktuellen Angeboten zusammengestellt, da diese schnell an Aktualität verliert, sondern uns für eine themenbezogene Übersicht entschieden. So können Wiedereinsteigerinnen aus dem Kompass ersehen, wer ansprechbar ist bei Fragen zur Kinderbetreuung, zur ersten Orientierung, zur Weiterbildung, Stellensuche, Existenzgründung und zur Unterstützung in besonderen Lebenslagen. Auch findet man Institutionen, die für Wiedereinsteigerinnen mit Zuwanderungsgeschichte besonders nützlich sind. Unser Anliegen ist, den Wiedereinsteigerinnen den Weg zu den Beratungsstellen zu weisen, in denen sie sich persönlich gezielt und individuell informieren und unterstützen lassen können.

 

Der Kompass – ein erster, wichtiger Schritt, um die Beratungskompetenzen im Kreis aufzuzeigen?

Mit dem Kompass ist es uns gelungen, erstmals die Institutionen im Rhein-Kreis auf einen Blick sichtbar zu machen. Verschiedene Netzwerkpartner meldeten uns schon nach kürzester Zeit zurück, dass sie mehr Anrufe und Anfragen von Wiedereinsteigerinnen erhalten, offensichtlich haben wir mit dem Kompass auch schlummernde Bedarfe geweckt, ein durchaus positives Zeichen.

 

Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit für  den Kompass konnten Sie also die Beratungssituation für Wiedereinsteigerinnen verbessern?

Ganz allgemein kann ich das unterschreiben. Jede Wiedereinsteigerin kann sich jetzt direkt an die im Kompass genannten Ansprechpersonen wenden und ihr Anliegen vorbringen. Bevor wir diese Transparenz erreicht hatten, waren die Wege für viele Wiedereinsteigerinnen unübersichtlich und oftmals vergeblich. Bei der Erstellung des Kompasses waren wir selbst überrascht, festzustellen, dass sich im Rhein-Kreis Neuss mehr als 100 Akteure in den für Wiedereinsteigerinnen wichtigen Themenfeldern engagieren. Wir wussten vor der Recherche nur punktuell voneinander, kannten Einrichtungen ganz allgemein, aber wer für was jeweils zuständig ist, das war uns untereinander nicht so bekannt. Dabei verfügt jede Fachkraft über wertvolle Kompetenzen und eigene Netzwerke, die sie in ihrem Fachbereich für die Unterstützung von Wiedereinsteigerinnen nutzt.
Die Beratungssituation im Rhein-Kreis Neuss wurde also deutlich verbessert, einmal für die Ratsuchende selbst aber auch für uns als Allianz Wiedereinstieg.

 

Fit im eigenen Themenfeld sein ist das eine, – wie steht es mit den überfachlichen Kenntnissen bzw. den Kontakten zu anderen Fachbezügen?

Das ist genau der Punkt, an dem wir in diesem Jahr ansetzen! Die Netzwerkmitglieder werden regelmäßig mit vielen Fragen konfrontiert, in der Regel ist aber nur ein Spezialwissen für einen begrenzten Bereich vorhanden. Deshalb wollen wir die Zusammenarbeit der Akteure und Akteurinnen untereinander fördern und uns gegenseitig kennenlernen, damit wir zielgenau die Ratsuchende an die richtige Ansprechperson weiterverweisen können. Durch den Anschluss an das Informationsnetz, das wir in der Allianz aufgebaut haben, erhöht sich für jeden Beteiligten das allgemeine Wissen, aber es ist auch wichtig, dass wir in unserer jeweiligen Fachkompetenz sichtbar bleiben. Wir müssen mit der Situation zurechtkommen, dass auch zukünftig der Kreis und die Kommunen keine Ressourcen für eine zentrale Anlaufstelle für Berufsrückkehrerinnen zur Verfügung stellen können. Daher ist es umso wichtiger, die Beratungsleistung der Akteure über den eigenen Kompetenzbereich hinaus zu fördern und den Netzwerkgedanken zu verstärken!

 

Beratung verbessern ohne weitere Ressourcen für Beratungsstellen - wie  wollen Sie vorgehen?

Ziel ist der Aufbau eines Beratungsnetzwerkes für den Rhein-Kreis Neuss. Während wir für den Kompass alle Einrichtungen gelistet haben, die uns ihre Angaben rückmeldeten, wollen wir jetzt damit beginnen, bei den Akteuren und Akteurinnen im Bereich Wiedereinstieg für das Beratungsnetzwerk zu werben. Im Rahmen einer Fachtagung fördern wir das gegenseitige Kennenlernen. Wir werden uns einen genaueren Kenntnisstand über die Unterstützungsmöglichkeiten von Wiedereinsteigerinnen in den verschiedenen Bereichen verschaffen. Aufgaben und Kompetenzen werden systematisch dargestellt, was auch heißt, dass die beteiligten Partner bereit sein müssen, anderen einen Einblick in ihre Arbeit/ihre Organisation zu geben. Entlang typischer Wege von Wiedereinsteigerinnen gilt es dann, Schnittstellen und Übergänge zu definieren und das Netz der Beratungswege zu systematisieren. Wir möchten auch herausfinden, ob das Landesportal zum Wiedereinstieg uns Beratern und Beraterinnen eine Hilfe sein kann. Die Ergebnisse der Fachtagung liefern die Grundlage für die Erstellung eines Lotsenwerks für alle Akteure im Bereich Wiedereinstieg im Rhein-Kreis Neuss.

 

Viel Arbeit und Einsatz wird von den Netzwerkpartnern erwartet. Ziehen alle mit?

Netzwerken funktioniert nur, wenn ich bereit bin, etwas einzubringen ohne umgehend daraus einen Profit erzielen zu wollen. Auch in unserem Fall kann der Gewinn sich nur längerfristig einstellen. Jeder Netzwerkpartner erhält die Chance, neue nützliche Kontakte zu knüpfen, das Arbeitsnetz zu erweitern und damit auch das eigene Angebot zu verbessern. Aber ganz ehrlich: ohne die Förderung könnten wir diese Intensität nicht erreichen. Gutes und qualitätsvolles Netzwerken braucht  Ressourcen, unabhängig vom Alltagsgeschäft.

 

Links


Interview Cornelia Schlebusch.

 

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