Themendossier Web & Co – Interview

„Als Informationsmedium ist das Internet unschlagbar“

zukunft-im-beruf.de ist eines der ersten regionalen Internetportale zum Thema Wiedereinstieg und startete als Pilotprojekt Netzwerk W 2008 im Kreis Kleve. Die Bildungsträger SOS-Kinderdorf Niederrhein und IMBSE e.V. Rheinberg betreiben mittlerweile das Portal gemeinsam und informieren kreisübergreifend zu Aktivitäten und Angeboten für Berufsrückkehrende. Das Onlineangebot hat sich bewährt und die Vernetzung vor Ort vorangetrieben.
Online-Erfahrungen: Gabriele Coché-Schüer (SOS-Kinderdorf, Kreis Kleve) und Katharina Küpper-Schreiber (IMBSE e.V., Kreis Wesel) im Interview

 

Sie betreiben als einer der wenigen Netzwerk W-Partner ein gemeinsames, kreisübergreifendes Internetportal. Welche Chancen sehen Sie darin – unterstützt es den regionalen Austausch, den Blick über den Tellerrand?

Gabriele Coché-SchüerGabriele Coché-Schüer: Das Spannende an unserer Website ist sicher die Kombination, dass wir es geschafft haben, die Informationen zum Wiedereinstieg einerseits kreisübergreifend darzustellen und andererseits da zu differenzieren, wo es notwendig ist und die Kreise sich unterscheiden.
Beim Portal sind alle Netzwerkpartner einbezogen und mit ihren Aktivitäten und einer Selbstdarstellung präsent. So haben alle im Blick: Was passiert in den Regionen, wer sind die Ansprechpartner und stimmen die Inhalte? Über das Portal können wir das Netzwerk lebendig halten - wie ein Spinnennetz, das immer weitere Kreise zieht.

Katharina Küpper-SchreiberKatharina Küpper-Schreiber: Der Vernetzungsgedanke hat von Anfang an eine zentrale Rolle gespielt – für uns als Kooperationspartner und für die anderen Träger und Akteure aus dem Netzwerk. So haben wir beispielsweise zum Thema Alleinerziehende Fachveranstaltungen durchgeführt, an Runden Tischen teilgenommen und jetzt auch einen Extra-Infoteil ins Netz gestellt. Dazu haben wir mit den Fallmanagerinnen der ARGE, die arbeitslose Alleinerziehende im Kreis Wesel beraten, die Webseite ausführlich besprochen. Entstanden ist so eine Kooperation, die sehr gut funktioniert. Insgesamt habe ich den Eindruck, die Träger rücken näher zusammen.

Gabriele Coché-Schüer: In ländlichen Kreisen wie unseren ist eine gemeinsame Plattform enorm wichtig. Deshalb nutzen wir das Portal insbesondere, um Fortbildungen und Veranstaltungen aus beiden Regionen und aus unseren Fachprojekten zu bewerben und Teilnehmerinnen zu akquirieren. Dabei haben wir eine ganz neue Pendlerschaft rekrutiert. Fort- und Weiterbildungsangebote werden jetzt verstärkt im jeweils anderen Kreis wahrgenommen. Angesichts einer Zielgruppe, die eher eine sparsame Vorstellung von Mobilität hat, ist das für mich ein ganz konkreter Erfolg.

 

Ein Portal zum Thema Berufsrückkehr und Wiedereinstieg war Anfang 2008 ein Vorreiterprojekt. Heute haben viele nachgezogen. Haben Sie sich als Pionierinnen gefühlt?

Gabriele Coché-Schüer: Eigentlich nicht, das Projekt war eher eine Notlösung, um nach dem Wegfall der Fachberatungsstellen Frau und Beruf im Kreis Kleve eine Möglichkeit zu haben, Informationen zur Berufsrückkehr aktuell und punktgenau zur Verfügung zu stellen. Jede Kommune plant und arbeitet für sich. Da geht schnell der Überblick verloren, was in den Nachbarkommunen angeboten wird und wo welche Ansprechpartner oder Qualifizierungsangebote zu finden sind. Über Netzwerk W hatten wir die Möglichkeit, dieses Wissen für den Kreis zu bündeln und für Berufsrückkehrende wie Beraterinnen und Multiplikatorinnen transparent und zugänglich zu machen. Das ging am einfachsten mit einer Internetplattform. Auch wurde parallel das landesweite Portal zum Wiedereinstieg aufgebaut, mit dem wir eng vernetzt sind. Hier werden ja die allgemeinen Informationen zum Wiedereinstieg eingestellt und so sind regionale Angebote mit überregional wichtigen Informationen gut kombiniert. Wir hatten also eine gute Idee, die sich tatsächlich bewährt hat.

 

Das klingt eher bescheiden ...

Katharina Küpper-Schreiber: Wir wollen zuallererst über die Angebote für Berufsrückkehrende in unseren Regionen informieren und es gibt ja eine ganze Reihe von Bereichen, die identisch sind und kreisübergreifend Bedeutung haben. Vielleicht ist das bescheiden, aber für uns ist es das Wichtigste - und auch das Praktischste. Hat sich beispielsweise eine Ansprechpartnerin oder ein Ansprechpartner geändert, lässt sich das im Internet problemlos und zeitnah einpflegen. Vor allem muss man keinen Riesenapparat bewegen. Eine Broschüre ist dagegen viel schwieriger auf Stand zu halten und es kostet auch mehr Geld.

Gabriele Coché-Schüer: Dazu ein Beispiel aus unserer Region: Im Kreise Kleve geben die Gleichstellungsstellen einen Wegweiser in Papierform heraus, der alle Beratungs- und Anlaufstellen zusammen fassen soll. Dieser Wegweiser ist nie – wirklich nie – auf Stand. Als Informationsmedium ist dagegen das Internet einfach unschlagbar. Außerdem gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, um verschiedenste Informationsmaterialien wie etwa Kontaktformulare, Broschüren oder Flyer zum Herunterladen bereit zu stellen.

 

Sie setzen das Internetportal auch in der Beratung mit Wiedereinsteigerinnen ein. Sind die Frauen wirklich so internetunerfahren wie immer behauptet wird?

Gabriele Coché-Schüer: Zu meiner Überraschung muss ich sagen: Ja und Nein! Oft können sie sich ganz fantastisch in irgendwelchen Blogs und Chatrooms bewegen. Wenn es aber darum geht, das Netz systematisch nach Informationen abzusuchen, da stoßen wir auf unglaubliche Ahnungslosigkeit. Wir machen deshalb oft Einweisungen zum Umgang mit dem Internet und zur Recherche im Internet, damit die Frauen die für sie wichtigen Informationen zur Berufsrückkehr selbständig im Netz finden können. Häufig sind sie dann höllisch erstaunt, welche vielfältigen Informationen es dort gibt.
Viele Verwaltungen machen es den Nutzerinnen aber auch nicht einfach, sich in den sehr ausdifferenzierten Seiten zurecht zu finden. Mit unserem Portal übernehmen wir daher eine Art Lotsenfunktion und versuchen punktgenau zu verlinken: Wo bekommt man Informationen zur Tagespflege, wo ist das Kindergeld zu beantragen?

 

Im Internet gibt es keinen Stillstand. Wie viel Aufwand betreiben Sie, um das Portal auf Stand und die Website lebendig zu halten?

Gabriele Coché-Schüer: Der redaktionelle Aufwand ist sicher größer als die finanziellen Mittel. Mit dem Fördergeld bewirtschaften wir hauptsächlich die technische Seite. Eine Website muss man regelmäßig bearbeiten, sonst verliert sie schnell an Wert. Wir prüfen regelmäßig alle Links und stellen mindestens alle zwei Wochen aktuelle Inhalte ein. Als Träger, denke ich, sollte man sich soweit „committen“ und die Website gegebenenfalls auch aus Bordmitteln finanzieren. Man muss sich klar entscheiden: Entweder aktuell pflegen oder einstellen.

 

Haben Sie Pläne, www.zukunft-im-beruf.de weiterzuentwickeln?

Katharina Küpper-Schreiber: Zunächst wollen wir weiterhin aktuell und kreisübergreifend über alle Aktivitäten informieren und wie bisher zu wichtigen Webseiten verlinken, ähnlich wie es landesweit das Portal wiedereinstieg.nrw.de macht. Zum Thema Teilzeitberufsausbildung gibt es in beiden Kreisen eine Initiative, das könnte für die nahe Zukunft ein interessantes Informationsangebot in unserem Portal sein.

Gabriele Coché-Schüer: Mit unserem Themenspektrum und Schwerpunkten wie Alleinerziehende und Kinderbetreuung sind wir nach wie vor gut aufgestellt. Geplant ist, das Kinderbetreuungsportal kid-klick.de im Rahmen von Netzwerk W auszubauen und stärker mit zukunft-im-beruf.de zu vernetzen. Zusätzliche web.2.0-Angebote wie facebook oder twitter sind zwar modern und spannend, aber dafür fehlen uns die personellen und finanziellen Kapazitäten. Grundsätzlich gilt auch hier: Das Internet ersetzt keine lebendige, persönliche Beratung. Idealerweise sollte am Ende immer die Face-to-Face-Beratung stehen und nicht ein neuer Link.

 

Links

 


Interview: Birgit Meding, Redaktion: Cornelia Schlebusch (ZFBT)

 

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