Netzwerk W – Unternehmen gewinnen

Wiedereinstieg ist planbar. Strategien gegen den blinden Fleck

Katharina Junglas, geschäftsführende Gesellschafterin der Aachener Unternehmensberatung ac.consult, unterstützt Unternehmen in der Personal- und Organisationsentwicklung. Im Rahmen von Netzwerk W setzt sie das Projekt „Wiedereinstieg (k)ein Thema für Unternehmen?“ um. Mit dem vom Bund geförderten Projekt „profit! – mit Gleichstellungsstrategien zum Unternehmenserfolg“ entwickelte die Unternehmensberaterin und Supervisorin ein Tool zum qualitätsgesicherten Wiedereinstieg. Im Interview erläutert sie Erfahrungen und Perspektiven.

 

Unternehmen für den Wiedereinstieg aufzuschließen und hier verlässliche Kooperationspartner zu gewinnen, ist in der aktuellen Förderphase von Netzwerk W ein zentrales Thema. Sie arbeiten seit vielen Jahren als Unternehmensberaterin und wissen, wie Unternehmen „ticken“. Mal ganz direkt gefragt, ist Wiedereinstieg für Unternehmen überhaupt ein Thema?

Portrait: Katharina JunglasWiedereinstieg ist für Unternehmen kein Thema, das ist eher ein blinder Fleck. Zwar haben sie damit zu tun, aber aus Unternehmenssicht werden Berufsrückkehrerinnen nicht als relevante Gruppe gesehen. Unternehmen brauchen motivierte und qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, da ist der Status erstmal uninteressant.

Vor diesem Hintergrund ist möglicherweise eine Strategie, die in erster Linie darauf setzt, die Zielgruppe der Wiedereinsteigerinnen bei Unternehmen zu „pushen“, auch nicht die richtige. Wenn die Netzwerke W das jedoch in den Mittelpunkt stellen und in erster Linie für diese Zielgruppen werben, besteht die Gefahr, dass sie bei den Unternehmen nicht als problemlösende Partner wahrgenommen werden und folglich Probleme haben, sich die gewünschten Kontakte zu den Unternehmen zu erschließen.

Als Unternehmensberatung haben wir einen direkten Zugang und wollen deshalb nachfragen: Was denken Unternehmen zum Thema Wiedereinstieg, welche Ansprachekonzepte, welche Partner brauchen sie. Dazu führen wir ausführliche Hintergrundgespräche mit Personalverantwortlichen aus 20 Unternehmen, die wir aus der Zusammenarbeit gut kennen und die daher sicher sehr direkte Antworten geben werden.


Im Rahmen von Netzwerk W befragen Sie Unternehmen zum Wiedereinstieg, welche Ziele verfolgen Sie dabei? Inwieweit lassen sich daraus Strategiehilfen für die Netzwerk W-Partnerinnen und -Partner ableiten?

Das Ziel ist es, hinreichend Hintergrundinformationen und -wissen zur Verfügung zu stellen, so dass die Netzwerk W-Partnerinnen ihre Strategien mit Blick auf Unternehmen verbessern und Kooperationen hier nachhaltig gestalten können.

Es geht also auch darum, für das Netzwerk selbst stärker die unternehmerische Perspektive auf Wiedereinstieg zu erschließen und dabei Regeln und Kulturmerkmale zu verdeutlichen.

Wir werden unsere Erfahrungen und Ergebnisse nicht nur in Papierform aufbereiten, sondern auch in Workshops den Netzwerk-Partnerinnen vermitteln.

Und das ist schon ein erster Hinweis: Die meisten Strategien beruhen auf Information und Aufklärung. Das ist wichtig, aber oft zu wenig zielgerichtet und auch zu unpersönlich. Man muss persönliche Kontakte aufbauen und pflegen, in Unternehmenskreisen präsent sein. Das dauert vielleicht eine Weile, ist aber vermutlich erfolgversprechender, als Flyer zu verteilen.

 

Beim Wiedereinstieg haben viele Unternehmen einen blinden Fleck, wie Sie sagen. Kann die Diskussion um den wachsenden Fachkräftebedarf ein Türöffner sein?

Wie gesagt, es kommt auf die richtige Ansprache, die richtige Strategie an. Funktionieren wird es nicht nach dem Muster: Ihr habt Fachkräftemangel, dann nehmt doch eine Wiedereinsteigerin. Unternehmen wollen nicht Zielgruppen protegieren, sondern brauchen Leute mit aktuellen Qualifikationen, die sofort einsetzbar sind.

Wiedereinstieg zusammen mit der Förderung und Sicherung von weiblichen Fachkräften zu thematisieren, da habe ich die Erfahrung gemacht, werden Unternehmen eher hellhörig. Immer noch ist es so, dass in Unternehmen sozusagen die „Katastrophe“ ausbricht, wenn eine bewährte Mitarbeiterin schwanger wird und dann in eine längere Elternzeit geht. Da muss man frühzeitig ansetzen und einen Plan haben, auf beiden Seiten.

Grundsätzlich gilt sicher, dass der Wiedereinstieg in einem neuen Unternehmen ungleich schwieriger ist, denn die Leistungsfähigkeit der Bewerberin ist nicht bekannt. Deutlich größere Chancen haben Frauen, wenn sie am alten Arbeitsplatz wieder einsteigen. Hier haben sie oft auch eine bessere Position, um über Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder Fragen zur Arbeitszeitregelung zu verhandeln.

Generell mache ich die Erfahrung, dass ein Wiedereinstieg umso schwieriger wird, je länger die Auszeit dauert und je weniger sie aktiv gestaltet wird, etwa durch Kontakthaltemaßnahmen. Wer nicht aussteigt, muss auch nicht wieder einsteigen – ich glaube, das ist das entscheidende Motto, damit Frauen im Arbeitsmarkt gehalten werden und als Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die derzeit vorhandene Stille Reserve können wir uns eigentlich gar nicht mehr leisten.


Mit Blick auf die Unternehmen: Was kann den Wiedereinstieg denn nun befördern, was sind nach Ihrer Erfahrung konkrete, erfolgversprechende Ansatzpunkte?

Der Wiedereinstieg muss im Unternehmen als Projekt begriffen werden – mit dem Ziel, bewährte Mitarbeiterinnen zu behalten. Für dieses Ziel sollten Vorgesetzte und Personaler Strategien entwickeln, die – ganz wichtig – vor dem Ausstieg ansetzen und konsequent im Interesse beider Seiten verfolgt werden.

Im Rahmen des Projektes „profit!“ haben wir das Tool „qualitätsgesicherter Wiedereinstieg“ entwickelt und damit ausgesprochen positive Erfahrungen gemacht. Aber ich glaube, es funktioniert auch deshalb so erfolgreich, weil wir es im Verbund mit zwei weiteren Tools zur Förderung und Werbung von weiblichen Fach- und Führungskräften anbieten und erproben.

Entwickelt haben wir einen Musterablauf mit dem Ziel, dass die Frau möglichst schnell und auf möglichst gleichem Qualifikationsniveau und mit möglichst hoher Stundenzahl in das Unternehmen zurückkehrt. Dazu werden in mehreren Gesprächen gemeinsame Verabredungen für alle Phasen des Aus- und Wiedereinstiegs getroffen und verbindlich festgehalten.

Von Anfang an sollten beide Seiten aktiv ihr Interesse und ihre Kooperationsbereitschaft signalisieren. Dann geht viel mehr, als wenn man das Thema defensiv behandelt. Dazu gehört, dass auch die Frau eine klare Entscheidung trifft und nicht sagt, mal sehen, was in drei Jahren ist. Bei so viel Unentschiedenheit bucht ein Unternehmen die Frau erstmal gedanklich aus.

Das Unternehmen wiederum sollte deutlich zeigen: Wir wünschen, dass Sie wieder kommen. Das kann man mit konkreten Angeboten verknüpfen, indem man beispielsweise Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder die Möglichkeit zur Urlaubsvertretung anbietet.

Im Grunde genommen kann der Aus- und Einstieg ein ganz normaler betrieblicher Prozess sein. Kein Mysterium, kein Schreckensszenario, sondern ein betriebliches Projekt wie jedes andere auch.


Was hat sich in den Unternehmen verändert, die sich auf ein aktives Wiedereinstiegsmanagement eingelassen haben?

Wir haben die Erfahrung gemacht: Je offensiver man damit umgeht, desto mehr bewegt sich. In den Unternehmen, die sich an unserem Projekt „profit!“ beteiligen, ist insgesamt das Interesse an gut ausgebildeten weiblichen Fachkräften gewachsen und sie bemühen sich aktiver um Bewerberinnen. Meines Erachtens können davon auch externe Wiedereinsteigerinnen profitieren, vorausgesetzt, sie präsentieren sich als interessante Fachkräfte.

Solche Maßnahmen sensibilisieren Unternehmen und tragen dazu bei, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Für die Rekrutierung von Fachkräften – weiblichen wie männlichen – ist das schließlich ein ganz entscheidender Faktor.

 

Weitere Informationen

Das Projekte „profit!“ wird im Rahmen der Bundesinitiative „Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft“ gefördert und aus Bundes- und ESF-Mitteln finanziert. Es umfasst drei Tools:

  • Tool 1:Personalentwicklung – Identifizierung/Qualifizierung von Fach- und Führungsfrauen
  • Tool 2: Personalmanagement – Qualitätsgesicherter Wiedereinstieg
  • Tool 3: Personalmarketing – Arbeitgeberimage, das Frauen zur Bewerbung motiviert

Eine Website mit Download der Tools informiert zum Projekt.
www.profit-unternehmenserfolg.de

 

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